Die Bundestagsabgeordnete Angelika Glöckner nahm zum dritten Mal an der ersten Sitzung eines neugewählten Bundestages teil. Von Routine kann dennoch keine Rede sein. Dabei erlebte die Abgeordnete, die seit mehr als 10 Jahren für die Region im Bundestag sitzt, kurz vor der ersten Bundestagssitzung einen überraschenden Anruf.
Glöckner kann sich noch gut erinnern, als sie vor etwas mehr als 10 Jahren zum ersten Mal das Plenum betrat und bezeichnet den Moment, als sie erstmals auf einem der Stühle im Plenarsaal Platz nahm als etwas sehr besonderes. Vor allem der übergroße Bundesadler direkt hinter dem Platz des Bundestagspräsidiums ließ Glöckner demütig aufblicken. „Die Größe und Stärke dieses Symbols führten mir sprichwörtlich das Gewicht und die Verantwortung für die Millionen Menschen in unserem Land und für den Erhalt unserer Freiheit und unserer Demokratie vor Augen. Es gibt immer wieder diese Momente und gestern war dieser Eindruck auch wieder da,“ schildert Glöckner und ist sich bewusst, dass ein solches Mandat in keinem Augenblick zur Selbstverständlichkeit werden dürfe.
Schockierend empfand die Abgeordnete, dass die Parteien der demokratischen Mitte aus CDU/CSU, Bündnis90/Die Grünen und SPD in Summe sichtbar geschrumpft sind, während die Ränder von rechts außen und links der SPD deutlich gewachsen sind. Die Rede des Dienstältesten, dem Abgeordneten Gregor Gysi, fand Glöckner insgesamt enttäuschend. „Obwohl Gysi ein exzellenter Redner ist, glich seine Rede eher einer Wahlkampfrede der Linken und war weniger staatstragend,“ findet Glöckner und hätte sich Impulse gewünscht für mehr Zusammenhalt sowie zur Stärkung unserer Demokratie gegen ihre Feinde von innen und außen.
Dass Julia Klöckner Bundestagspräsidentin wird, ist für Glöckner doch etwas gewöhnungsbedürftig, „Sie neigt ja eher zu provokanten und polarisierenden Äußerungen. Es bleibt abzuwarten, welche Methoden sie findet, um die Sitzungen des Bundestages souverän zu leiten.“ Sie habe Klöckner nach der Wahl persönlich gratuliert und viel Erfolg gewünscht. Über die Wahl ihrer jungen saarländischen Fraktionskollegin Josephine Ortleb hat sich Glöckner gefreut.
Wenige Tag vor der ersten Sitzung des Bundestags erhielt Glöckner die Mitteilung, der Präsident der Bundestagsverwaltung wolle sie in Ihrem Berliner Büro zu einem persönlichen Gespräch besuchen. Als Glöckner darauf hin nach dem Anlass fragte, wurde ihr mitgeteilt, es solle die Zusammenarbeit zwischen Präsidialbüro und dem Chef der Bundestagsverwaltung besprochen werden. „Da ist bei mir gleich der Groschen gefallen, dass dies mal wieder eine Verwechslung zwischen mir und meiner Namensvetterin mit „K“ war“, lacht Glöckner und ergänzt. „Damit habe ich halt ein bisschen früher als andere erfahren, wer Bundestagspräsidentin wird. Aber ich habe nichts verraten.“